Langsam wird mir etwas mulmig als durch das kleine Fenster die Häuser immer kleiner werden. Sind 4.000 Meter wirklich so hoch oben?

Wir sitzen zu viert im Laderaum des kleinen gelben Flugzeuges, das sich immer höher schraubt und mittlerweile auch die ersten Wolken unter sich gelassen hat. Vor einer guten halben Stunde hatte ich noch festen Boden unter den Füßen und habe aufmerksam den Instruktionen von meinem Tandem-Partner gelauscht. Nun stecke ich einem dünnen Flieger-Overall, auf dem Kopf eine fesche Fliegerhaube inklusive der passenden Brille. Wie ein Känguru-Baby bin ich vor dem Bauch einer der beiden Fallschirmspringer festgeschnallt. Claudia sitzt uns gegenüber zwischen den Beinen des zweiten.

Plötzlich spüre ich einen kalten Luftzug und sehe, dass die Tür des Laderaums sich ins Nichts geöffnet hat. Ich drehe mich zu meinem Partner um, um zu erklären, dass ich es mir anders überlegt habe und eigentlich nicht durch das kleine Loch ins Leere springen möchte. Leider ist der Fluglärm zu laut für größere Diskussionen.

Das andere Paar hockt vor der Luke und ist plötzlich verschwunden. Nun werde ich von meinem Hintermann in Richtung der Öffnung geschoben. Der Wind bläst mit kalt ins Gesicht und unter meinen Schuhspitzen sehe ich die kleinen Häuser und ein paar Wolkenfetzen. „Ready?“ raunt es mir von hinten ins Ohr – bevor ich etwas erwidern kann, sind wir schon draußen.

Der Wind zerrt an meinem Overall, drückt mir die Brille ins Gesicht und saust mir trotz Fliegerhaube um die Ohren. Wir liegen flach in der Luft, Arme und Beine ausgebreitet. Meine Angst ist wie weggeblasen, die Landschaft unter mir sieht nun so unwirklich klein aus, dass ich damit nicht mehr 4 Kilometer freien Fall in Verbindung bringe. Ich drehe den Kopf und schaue auf schneebedeckte Berge am Horizont. Ich fliege! Die Welt liegt unter mir und ich schwebe in luftiger Höhe, sause durch kleine Wolkenfetzen und könnte ewig so fallen. Ich bewege meine Arme etwas um den Luftwiderstand zu spüren, drehe den Kopf in alle Richtungen, um möglichst viel von der Aussicht aufzusaugen.

Dann ein kleiner Ruck und wir hängen nun senkrecht am geöffneten Fallschirm. Sachte segeln wir nach unten. Mein Pilot dreht noch ein paar Kurven mit dem Schirm – bis mir dann leicht schwindelig wird. Viel zu schnell nähert sich die grüne Wiese unter uns und dann stehe ich auch schon wieder – etwas wackelig – auf festem Boden.

(September 2003)