Schlagwörter

Gerade ist die Sonne herausgekommen und ich sitze am Flussufer und versuche, meine von der letzten Flussdurchquerung gefühllosen Füße wieder aufzutauen. Ein Wiehern lässt mich den Kopf heben: unser Koch kommt daher getrabt, wie immer den Teekessel unterm Arm und ein Lächeln auf den Lippen. Gefolgt von seinem Gehilfen, der auch die zwei Packpferde mit den Kochutensilien im Schlepptau hat.

Etwas abseits zwischen den niedrigen Sträuchern, die schon ihr Herbstkleid angelegt haben und in Rot- und Gelb-Tönen leuchten, schlagen sie ihr Lager auf und bald steigt Rauch vom Gaskocher auf und es gibt heißes Wasser für Kaffee und Tee. Während ich meinen Kaffee aus dem Ikea Becher schlürfe und die warmen Strahlen der Sonne genieße, schweift mein Blick über den breiten Fluss, der vor uns eine Biegung macht und zwischen zwei steinigen Bergen verschwindet. Die Hänge spärlich geschmückt mit Sibirischen Birken und Lärchen. Vereinzelte Bäume leuchten schon goldgelb und bilden einen schönen Kontrast zum herbstlichen Rot des hohen Grases. Dazwischen immer wieder das Schwarz von verkohlten Baumstämmen.

img_7892„Essen!“ – wohl die häufigste Aufforderung während dieser Reise –  holt mich aus meinen Gedanken und bald balanciere ich den Teller mit buntem Gemüse, würzigem Schaffleisch und Nudeln auf meinen Knien. Genießen auf den unebenen Steinen am Flussbett mit Aussicht auf die zwar spartanische, aber grandiose Natur. Einsame Taiga, ab und zu ein Streifenhörnchen oder ein neugieriges Murmeltier. Aber auch das Heulen der Wölfe abends beim Lagerfeuer.

Eines der Packpferde hebt den Kopf und wiehert. Aus der Entfernung folgt die Antwort und schon entspinnt sich ein Dialog zwischen den Pferden des Kochs und denen der Kolone mit unserem Gepäck, die sich rasch nähert. Die ersten Packtiere, beladen mit Zelten, Gepäck und Ausrüstung tauchen zwischen den hohen Büschen auf. Wir bringen uns schnell in Sicherheit bevor wir von einem der halbwilden, kleinen struppigen Pferde gerammt werden. Begleitet von jungen Mongolen, die meistens über ihren unbequemen Sätteln in den Steigbügeln stehen und die Herde antreiben. Zwei der Lasttiere brechen nach links in die Büsche aus und werden sogleich wieder im Galopp zurück in die Kolonne geholt.

img_8046

Jeden Tag ein Erlebnis ist der Spuk auch schon wieder vorbei und es ist nur das Rauschen des Flusses zu hören. Langsam schultern wir unsere Rucksäcke und folgen dem Tross durch die herbstliche Taiga. In Gedanken schon beim nächsten kalten Fluss, der zu durchwaten ist.

img_6726

(Mongolei, September 2016)