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Am Fensterrahmen vor mir wandern ein paar träge Ameisen entlang. Im Wasser machen die Wespen den Wasserläufern das kühle Nass streitig. Ein Schweißtropfen sucht sich den Weg über meinen Bauch und verschwindet dann im schon durchgeschwitzten Hosenbund.

Am Ende des kleinen Pools vor uns landet eine Amsel, streckt vorsichtig den Fuss ins Wasser, bevor sie mit ausgebreiteten Flügeln fast komplett untertaucht. Kurz verharrt sie mit leicht geöffnetem Schnabel, dann startet der Badespaß: immer wieder verschwindet zuerst der Kopf im Wasser, dann schlägt sie kurz mit den Flügeln, dass die Wassertropfen nur so spritzen. Fliegt kurz auf den Ast daneben, schüttelt sich, kurzer Blick in die Runde, bevor sie sich erneut ins Bad stürzt und mit sichtlichem Vergnügen herum plantscht. Ich beneide sie schon ein bisschen um ihre Abkühlung, während es in der kleinen Hütte wohl schon an die 40 Grad hat.

Ein Grünfink kommt vorbei und bleibt kurz mit flatternden Flügeln vor unserer Scheibe stehen. Wundert sich wohl, was für komische Gestalten da in brütender Hitze regungslos verharren. Aber lange hält ihn die Neugier nicht. Schon ist er wieder verschwunden und man hört nur das Geräusch der Federn, die durch die Luft schwirren.

Nichts tut sich. Die heiße Luft flimmert über dem dunklen Wasser. Langsam frage ich mich, auf was für ein komisches Abenteuer ich mich da eingelassen habe…

Plötzlich huscht etwas Schwarz-Weißes von links ins Bild. Gleichzeitig ertönt neben mir ein Geräusch wie von einem Maschinengewehr. Aber es fliegen keine Federn durch die Luft, obwohl ich mir sicher bin, dass Roman neben mir sein Ziel getroffen hat. Der Wiedehopf verschwindet unbeschädigt im Astloch vor uns. Roman schaut mich über das Objektiv seiner Kamera an und hebt den Daumen. Nun sollte ich vielleicht auch mal meine Kamera in die richtige Position bringen, um den Abflug aus der Höhle nicht zu verpassen. Checken, ob die Einstellungen stimmen, auf das Loch im Baumstamm scharf stellen und mit dem Finger am Auslöser warten. Als der lange gebogene Schnabel zu sehen ist, bin ich schon kurz davor, abzudrücken. Aber er verschwindet gleich wieder. Unsere Geduld wird auf die Probe gestellt: Großreinemachen ist angesagt. Immer wieder werden kleine Grasbüschel aus dem Loch nach draußen befördert. Schließlich kommt dann doch der Kopf wieder zum Vorschein und Mama Wiedehopf startet unter erneutem Kamera-Gewitter zum nächsten Versorgungsflug.

Es wird wieder ruhig. Ein Spatz flattert vorbei, trinkt vom Pool und schaut dann neugierig in die Bruthöhle. Scheint nicht sehr spannend zu sein. Von rechts erscheint ein Smaragdeidechsen Pärchen. Ihr leuchtendes Blau und Grün spiegelt sich im Wasser.

Zwei Grünfinken landen am Pool-Ufer und genehmigen sich ein paar Schluck Wasser. Auch ein Neuntöter wagt sich heran und setzt sich auf einem nahen Ast wunderschön in Pose.

Dann tut sich was in der Wiedehopf-Wohnung: ein kleiner, weiß eingerahmter Schnabel erscheint und gleich darauf der Kopf mit einer orangen Andeutung der Federhaube. Offensichtlich kann es der Spross gar nicht mehr erwarten, bis es Nachschub gibt. Wie ein kleiner Clown sieht er aus, wie er sehnsüchtig in die Ferne blickt.

Roman gibt mit ein Zeichen: links im Baum sitzt schon ein Elternvogel, bereit für den nächsten Anflug. Kamera bereit machen, die Spannung steigt. Mit aufgestellter Federhaube kommt er auf den Nachwuchs zu, der schon erwartungsvoll den kleinen Schnabel aufsperrt. Wunderschön sind die schwarz-weiß gestreiften Flügel zu sehen, als er vor dem Baumloch abbremst. Und schon verschwindet das nächste große Insekt im Kinderschnabel. Gleich darauf ist der prachtvolle Vogel auch wieder zwischen den Bäumen verschwunden.

Nach dem Klicken der Kameras ist es nun wieder still. Ich werfe einen Blick auf meine Bilder: sieht ganz gut aus, das Schwitzen hat sich gelohnt 🙂

(Ungarn, Juli 20219)